Auf die kleinen Details kommt es an
Architektin DI Anne Mautner Markof im Gespräch mit Christine Baumgartinger
In der Bahnhofstraße entsteht ein hochmodernes Wohn- und Geschäftsgebäude. Geplant wurde dieser Bau von der Architektin DI Anne Mautner-Markhof. ÖVP Aktuell hat sie in St. Florian besucht.
VP-Aktuell: Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?
AM: Durch meinen Beruf habe ich sehr viel mit verschiedenen Personen und Institutionen zu tun. Der Umgang mit verschiedenen Persönlichkeiten ist genauso interessant und herausfordernd, wie gesetzliche Rahmenbedingungen, die man als Architektin beachten muss.
Künstlerlisch-spielerische Elemente kennzeichnen Ihre Projekte, woher schöpfen Sie Ihre Energie?
Ich bin in einer Architektenfamilie aufgewachen. Bereits mein Großvater und Vater waren Vorbilder für mich. Als kleines Kind habe ich lieber mit einem Bagger gespielt, als mit einer Puppe. Das ist sicherlich eine Motivationsquelle. Außerdem reise ich gerne und hole mir dadurch Inspirationen.
Gibt es aus Ihrer Sicht in der Arbeitsweise Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Architekten?
Absolut! Als Frau gehe ich gefühlsmäßig an die Aufgaben heran. Besonderes Augenmerk lege ich immer darauf, dass ich den Faktor Mensch bei der Planung berücksichtige: wer wohnt in den Gebäuden, wer arbeitet darin, was seht man, wenn ich aus dem Fenster blicke und so weiter.
Worauf liegt Ihr Hauptaugenmerk bei einem Entwurf: auf Rationalität oder Emotionalität?
Wie gesagt gehe ich die Projekte mit einer emotionalen Ader an.
Was wäre Ihr Traumprojekt?
Ein Traum wäre es einmal, wenn ich ein großes Kulturzentrum planen könnte. Gerade im Bereich der Kultur kann man immer wieder kreative Ideen einbringen und auch umsetzen.
Wie lassen sich aus Ihrer Sicht Beruf und Familie vereinbaren?
Das ist eine gute Frage: nur mit Unterstützung vieler. Ich arbeite viel und gerne. Als Mutter von zwei Kindern, 13 und 8 Jahre alt, bin ich froh über jede Unterstützung: sei es durch meinen Mann und meinen Eltern oder durch flexible Schul- und Kindergartenzeiten. Die letzten 10 Jahre waren eine große Herausforderung, nun werden die Kinder größer und das erleichtert mir meine berufliche Tätigkeit.
Sie haben viel geplant und realisiert, was war Ihr bisheriges Lieblingsobjekt?
Das ist der Kindergarten in Bad Zell. Das Gebäude besteht aus drei großen und zwei kleinen „Bauklötzchen“, von denen sich der südöstliche um 20 Grad aus der Reihe dreht. So wird das
Spiel von Außen- und Innenraum zu einem intensiven Erlebnis. Kinder verstecken sich gerne und brauchen Freiräume zum Spielen.
Inwiefern spielen ökologische Aspekte bei der Planung eine Rolle?
Ökologie war mir schon immer ein großes Anliegen. Bereits vor 20 Jahren habe ich meine Diplomarbeit über den Einsatz von Photovoltaik zur Stromerzeugung geschrieben. Wissen Sie, die Sonne scheint den ganzen Tag und liefert uns ständig Energie. Die technische Entwicklung schreitet immer weiter fort und ich bin der Überzeugung, dass wir jetzt erst am Anfang stehen, uns von konventionellen Energieträgern unabhängig zu machen.
Was macht das Projekt in Vorchdorf so besonders?
Das Gebäude ist eine gelungene Kombination von Geschäftsund Lebensraum. Die Bankfiliale ist im Erdgeschoß integriert und mit einem begrünten Flachdach ausgestattet. Wenn man aus den Wohnungen blickt, sieht man kein Dach, sondern eine Wiese. Dazu ist das Gebäude absolut barrierefrei, von der Tiefgarage bis ins Badezimmer. Es gibt viele weitere Details, die das Wohnen im Ort lebenswert machen, wie die Ausrichtung nach Süden oder ein eigener Kinderspielplatz.
Frau Mautner-Markhof, vielen Dank für das Interview!

